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Schreckgespenst Arbeitslosigkeit

Guten Tag, liebe Leute,

ich war gestern also als Arbeitslose unterwegs. Zugekleistert mit all meinen Absagen, fettigem Haar und aschfahlem Gesicht machte ich mich auf, die Welt das Fürchten zu lehren. Es kam natürlich wie es kommen musste - ich durfte so einigen Menschen erst erklären, was mein Kostüm darstellt. Schließlich musste man mir doch recht nahe kommen, um den Inhalt all der angebrachten Papiere lesen zu können. Bevor aber jemand an einem rumschnüffelt, gebietet es die Höflichkeit, vorher lieber nachzufragen. (Daran halten sich sogar fast alle Betrunkenen. )

So kam ich mit einem Herrn mittleren Alters ins Gespräch der mich mit Fragen löcherte. Das Gespräch lief in etwa so ab: "An Halloween verkleidet man sich als etwas, das den bösen Geistern Angst machen soll. Was ist denn an der Arbeitslosigkeit so furchtbar? Man hockt zu Hause rum, hat Freizeit, kriegt fürs Nichtstun Geld und muss nur pünktlich zu den Terminen erscheinen." Da musste ich natürlich ein wenig aufklären: "Dann waren Sie wahrscheinlich noch nie arbeitslos, was? Jetzt passen Sie mal auf: Ich habe die letzten 9 Jahre durchgehend sozialversicherungspflichtig gearbeitet, trotz Studium nebendran. Ist in meinem Alter ne Menge! Jetzt passiert mir die Arbeitslosigkeit und ich bekomme 1.000 Euro. In heutiger Zeit, bei den Preisen, reicht das für Miete plus Essen. Ich bin zu Hause und in meinem Block gefangen, weil ich mir kein Bahnticket leisten kann, um weiter weg zu gehen, als fußläufig erreichbar ist. Ich kann weder ins Kino noch in ein Café, ich kann mich praktisch keiner Aktivität meiner Bekannten und Freunde anschließen. Vernissage? Finissage? Museum? Mit der Bahn an den Rhein? Picknick? Spaziergang mit anschließendem Restaurantbesuch? Alles nicht möglich, es sei denn, ich lebe über meine Verhältnisse. Zu teure Arzneimittel sind auch nicht drin, weswegen ich seit Wochen mit schmerzender Schulter rumrenne und warte, dass es von selbst aufhört. Und heute Abend kann ich mir nur leisten, weil ich zu Hause noch Druckerpatrone von früher übrig hatte und zu Hause Wasser und Tee getrunken habe. Ich kauf hier heute nix. Und dann denken Sie mal daran, was Arbeitslosigkeit für die Seele bedeutet! Ständig sich irgendwo zu bewerben - auch u.a. um seinen Wochenschnitt zu erfüllen - und dann ständig Absagen zu bekommen. Wissen Sie eigentlich, was Absagen mit einem machen? Ein Haufen Telefonate oder E-Mail oder Briefe die Ihnen sagen "Sie sind nicht gut genug. Wir wollen Sie nicht!". Das ist brutal. Dann das zu Hause rumhocken, nichts zu tun zu haben außer Bewerbungen zu schreiben - da kommen einem Gedanken, sag ich Ihnen! Und dann die äußerst "netten" Behandlungen der sogenannten Berater in der Agentur. Da kommt man sich vor wie ein Leibeigener. Nein, Sie wissen echt nicht, wovon Sie reden!"

Meine Laune war Halloween entsprechend zum Schaudern. Da klopfte er mir auf die Schulter, schwieg ein wenig und schloss schließlich mit "Na, kommen Sie, heut Abend geht alles auf mich!"

Nette Geste, die ich allerdings nicht annahm. Ich will kein Mitleid. Ich will einen Job. 

Wie war denn euer Abend denn so? Ich freue mich auf eure Berichte.

Eure

etwas übermüdete soziale arbeitswelt

 

1.11.14 14:57
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Blackbutler / Website (1.11.14 15:34)


Nur noch allein ins Bett, und schlafen.

"Süßigkeiten..."



Pascale (4.11.14 15:06)
Hallöle,

"mein" Halloween kannst Du in meinem Blog Eintrag 682 nachlesen.

LG

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